01.04.20123: Hier ist’s immer noch eher winterlich. Nach wie vor rasten tausende nordischer Gänse (hauptsächlich Blässgänse) im Gebiet, die jetzt endlich etwas leichter ans Gras kommen, denn mittlerweile hat’s die Sonne doch geschafft, ein paar Flecken schneefrei zu kriegen. Trotzdem liegt immer noch viel Schnee, und auch die Temperaturen erinnern eher an den Winter, ebenso wie der Raufußbussard in der Großen Grabenniederung. Auffallend ist außerdem, dass erst wenige Löffelenten da sind sonst sind es um diese Zeit viele hundert! Ein paar zarte Hinweise auf den Frühling gibt’s aber doch: Brachvogel und Rohrweihe sind da. Auch am Gülper See herrscht noch Winterstimmung, vor allem wegen der zwei bis drei dutzend Singschwäne, die sich vor allem am Nordufer aufhalten. Zahlreiche Tauchenten bevölkern noch den See, vor allem jeweils viele hundert Tafel-, Reiher- und Schellenten, dazu noch einige wenige Gänse- und Zwergsäger. Doch auch hier gibt es „Frühlingsboten“: ein Fischadler sitzt auf dem Horst, und zwischen den vielen Haubentauchern konnte ich auch 16 Rothalstaucher entdecken. Unterdessen sind die Pegel weiter gefallen; die Wasserstände liegen für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrig.
08.04.2013: Das Wetter ist zwar immer noch nicht wirklich frühlingshaft, aber immerhin zeigt sich öfter die Sonne, und es liegt auch kein Schnee mehr (abgesehen von Verwehungen). Auch in der Vogelwelt zeigen sich erste zarte Anzeichen von Frühling, auch wenn manches immer noch an Winter erinnert. Z.B. der verspätete Zwergschwan oder der Raufußbussard in der Großen Grabenniederung und natürlich die immer noch zu tausenden hier rastenden Bläss- und Weißwangengänse. Dafür gab’s heute die ersten Uferschnepfen, Rotschenkel und ein fleißig balzendes Rothalstaucherpaar. An Frühling erinnerte auch das pausenlose Gezeter der in Revierstreitigkeiten verwickelten Grauganspaare eine brütende Graugans konnte ich ebenfalls entdecken. Auch die Unmengen von Pfeifenten (wohl mindestens 2.000 allein in der Niederung nördlich von Parey) gehören eher zum Frühling. Und nicht zu vergessen die Kiebitze, die schon dabei sind, Nestmulden zu drehen. Bei den Singvögeln sieht es dagegen wenig frühlingshaft aus: Richtig fleißig gesungen haben nur die Feldlerchen, ansonsten wagte nur eine Rohrammer ein paar zaghafte Strophen.
16.04.2013: Das ging jetzt schnell innerhalb von nicht einmal einer Woche gingen die Rastzahlen der Pfeifenten steil nach oben, um dann genauso schnell wieder abzufallen. Die Entenscharen in den Überschwemmungsflächen werden jetzt von Löffel- und Krickenten dominiert, wobei die Zahl der Löffelenten heuer deutlich niedriger liegt als in vergangenen Jahren. Die Südströmung, die uns am Wochenende endlich warmes Wetter bescherte, brachte auch einige Zugvögel mit, wie Schafstelze und Braunkehlchen. Waren zuvor noch viele Storchennester leer, sind nun die meisten besetzt. Unterdessen hat die Laichzeit der Moorfrösche begonnen, deren eigentümliches „Blubbern“ nun wieder allenthalben z.B. in der Havelaue zu hören ist.
23.04.2013: Am Gülper See begegnen sich gewissermaßen Winter und Frühling während sich hier immer noch Zwerg- und Gänsesäger aufhalten sowie hunderte Reiherenten, sind nun die ersten Trauer- und Flussseeschwalben und Zwergmöwen angekommen. In der Havelaue sind wieder die pfeifenden Rufe der Tüpfelsumpfhühner zu hören, und die Balz der Bekassinen hat begonnen. Die Wasserstände liegen wegen des unverändert trockenen Wetters nach wie vor relativ niedrig.
30.04.2013: In der Großen Grabenniederung rasten immer noch recht viele Enten v.a. Krick- und Löffelenten, aber auch noch einige Pfeif- und Spießenten. Wie so oft im Frühjahr halten sich hier jetzt auch wieder viele nichtbrütende Kraniche auf, und als kleine Besonderheit ist ein Pärchen Stelzenläufer zu beobachten. Das späte Winterende macht sich darin bemerkbar, dass immer noch keine Graugansfamilien zu sehen sind; auch der Limikolenzug ist bisher nur schwach ausgeprägt.
05.05.2013: Deutlich später als sonst sind in der Großen Grabenniederung die ersten Graugans-Familien unterwegs. Das Wasser geht nun deutlich zurück wie so oft in den letzten Jahren macht sich das trockene Frühjahr bemerkbar. Die vielen Schlickflächen kommen aber gerade recht für die Limikolen, die jetzt endlich in größerer Zahl rasten ungewöhnlicherweise aber immer noch kaum Kampfläufer. Dafür Grünschenkel und Dunkle Wasserläufer, und zur Zeit besonders häufig die Bruchwasserläufer. Dank der nicht mehr ganz so kalten Abende haben nun auch die Konzerte der Teich- und Seefrösche begonnen, hier und da lassen sich wieder die schnurrenden Strophen der Kreuzkröten hören. Und mit Früher Adonislibelle und Frühem Schilfjäger fliegen auch die ersten Libellen.
05.06.2013: Wegen des zu erwartenden Hochwassers hat die Mahd auf den (höher gelegenen) Wiesen in Havelaue und Großer Grabenniederung fast zwei Wochen früher als sonst begonnen; die tieferen Senken in der Havelaue liegen bereits unter Wasser (was allerdings wegen der hohen Vegetation kaum auffällt). Unterdessen haben die kräftigen Regenfälle der letzten Woche das Ablaufen des Wassers aus der Großen Grabenniederung deutlich verzögert, hier sind noch weite Flächen überflutet. So gibt es bei den Rothalstauchern erstmals seit Jahren wieder Bruterfolg. Nach wie vor halten sich nördlich von Parey mindestens 100 Kraniche auf, einige befinden sich bereits in der Schwingenmauser. Auffällig ist die hohe Zahl an Löffel- und Schnatterenten und zwar fast ausschließlich Erpel! Ob die Weibchen alle in der Umgebung brüten? Auch ein Schwarzstorch ist hier regelmäßig bei der Nahrungssuche zu beobachten, und am Gülper See sind zur Zeit mehrere Rohrdommeln zu hören.
08.06.2013: Nachdem gestern die Wehre bei Quitzöbel geschlossen worden sind, um das in die Havel drückende Elbhochwasser zu stoppen, und nach Erreichen historischer Höchststände der Elbe in Magdeburg und Wittenberge (bei weiter steigenden Pegeln!), wurde inzwischen beschlossen, beim Eintreffen des Hochwasserscheitels im Bereich der Havelmündung (also morgen oder spätestens übermorgen) die Wehre wieder zu öffnen und gleichzeitig die Polder entlang der Unteren Havel zu fluten. Dazu gehören unter anderem der Bereich südwestlich der Straße zwischen Jederitz und Havelberg (Polder Trübengraben), die Wiesen und Äcker nördlich des Gülper Sees (Polder Twerl) und die Große Grabenniederung. Das bedeutet beispielsweise auch, dass die Verbindungsstraßen von Parey nach Wolsier bzw. Gülpe gesperrt bzw. wegen Überflutung gar nicht mehr befahrbar sein werden. Das auch ohne den momentan fehlenden Rückstau von der Elbe kräftig steigende Hochwasser der Havel macht sich inzwischen trotz der hohen Vegetation in den Havelwiesen deutlich bemerkbar die Havelaue wird allmählich wieder zu einer Seenlandschaft.
10.06.2013: Die Wehre bei Quitzöbel sind wieder offen, und das Elbe-Hochwasser fließt nun rückwärts in die Havel. Zur weiteren Entlastung der Elbdeiche wurden außerdem die sechs Havelpolder zwischen Havelberg und Hohennauen geöffnet; im Fall der Großen Grabenniederung wurde dazu der Deich zwischen Gülpe und Parey auf einer Länge von 30 Metern abgetragen. Die daneben verlaufende Verbindungsstraße ist jetzt natürlich nicht mehr befahrbar; auch die Straße zwischen Parey und Wolsier ist für Kfz gesperrt. Für Radfahrer ist der Beobachtungsturm jedoch noch erreichbar, aber vermutlich nicht mehr lange. Die vor dem Hochwasser flüchtenden Kleintiere locken u.a. auch viele Weißstörche ins Gebiet, so standen heute Nachmittag 21 Störche in einer Wiese bei Gülpe. In der Großen Grabenniederung haben dank des hohen Wasserstands inzwischen mindestens drei Rothalstaucherpaare Nachwuchs. Unterdessen fliegt an blütenreichen Hecken und Säumen wieder (später als in vergangenen Jahren) der Baumweißling, und auch die Konzerte der Feldgrillen haben ihren Höhepunkt erreicht.
12.06.2013: Das Wasser in der Großen Grabenniederung steigt weiter und beginnt nun die Verbindungsstraße Parey Wolsier zu überfluten, während das Hochwasser in der Havelaue stagniert. Im Bereich zwischen Parey und Wolsier sammeln sich immer mehr Störche heute waren es 33 Weiß- und 7 Schwarzstörche. Dem Verhalten nach handelt es sich offensichtlich um Nichtbrüter. Auch viele Kraniche und Graureiher halten sich hier auf. Besonders erfreulich ist, dass in der Grabenniederung inzwischen zwei Brandgansfamilien unterwegs sind.
14.06.2013 Neues vom Hochwasser: Das durch den gebrochenen Deich bei Fischbeck eindringende Wasser strömt nordwärts Richtung Havelberg. Um es in die Havel, die noch viel Wasser aufnehmen kann, abzuleiten, wurden mehrere auf Dämmen verlaufende Straßen aufgebrochen, u.a. die L2 zwischen Kuhlhausen und Jederitz. Auch die Verbindungsstraßen von Parey nach Gülpe bzw. Wolsier sind weiterhin gesperrt.