14.01.2012: Nach langer (z.T. krankheitsbedingter) Pause gibt es heute endlich wieder eine Meldung. Die reichlichen Niederschläge der letzten Wochen haben den Havelpegel kräftig ansteigen lassen. In Rathenow wurde bereits Hochwasserstufe 1 ausgerufen; in der Havelaue und besonders in der Großen Grabenniederung sind weite Flächen überflutet. Das gefällt den Gänsen, die dank des milden Wetters diesmal wieder deutlich zahlreicher sind als in den letzten Wintern. Besonders Bläss- und Weißwangengänse sind es, die sich vor allem in der Grabenniederung aufhalten. Hier sind es aber jetzt die Singschwäne, die (auch akustisch) noch mehr auffallen: Über 500 haben sich auf den Flächen zwischen Parey und Wolsier verteilt so viele habe ich hier noch nie gesehen. Da sie teilweise in hoher Vegetation verborgen sind, lassen sie sich am besten vom Turm nördlich Parey beobachten. Außerdem sind hier jetzt regelmäßig Kornweihen zu sehen.
28.01.2012: Nun ist der Winter doch noch gekommen; und für die nächste Woche ist strenger Frost angekündigt. Die Überschwemmungsflächen in der Großen Grabenniederung sind bereits weitgehend vereist, nur ein paar Löcher werden noch von mehreren kleineren Gruppen von Singschwänen freigehalten, die hier ausharren, während die meisten anderen in die ebenfalls noch großflächig überflutete Havelaue gewechselt sind, wo das Wasser wegen der Strömung nicht so leicht zufriert.
31.01.2012: Der Gülper See ist inzwischen weitgehend zugefroren nur die nordöstliche Ecke und ein paar kleinere Löcher in der Mitte sind noch offen. Die Wasservögel konzentrieren sich jetzt auf die letzten eisfreien Bereiche in den überschwemmten Niederungen von Havel, Dosse und Rhin. An der Dosse in Hohenofen hält sich zur Zeit eine nordische Wasseramsel auf.
02.02.2012: Der starke Frost hat die Dosse inzwischen nahezu völlig zufrieren lassen und die Wasseramsel aus Hohenofen vertrieben. Auch der Gülper See hat jetzt bis auf wenige kleine Löcher eine geschlossene Eisdecke.
03.02.2012: Inzwischen ist nicht nur der Gülper See zugefroren, sondern auch Havel, Dosse und Rhin. Nur die Gülper Havel ist bisher lediglich an den Ufern vereist, und so konzentriert sich hier nun das (Wasser-)Vogelleben. Neben hunderten Singschwänen sind das auch Höckerschwäne und Stockenten, Schellenten und Gänsesäger, Zwergtaucher und Kormorane. Gänse kommen immer wieder zum Trinken, während sie hier zum Übernachten eher die vereisten Überschwemmungsflächen nutzen. Und auch die Seeadler halten sich nun hauptsächlich hier auf.
17.02.2012: Das „Russenhoch“ hat sich wieder zurückgezogen, die Kälteperiode ist vorbei und der Schnee wieder weggeschmolzen. Beim Eis geht das aber nicht so schnell, denn das ist bei dem strengen Frost sehr dick geworden. Auch das Vogelzuggeschehen ist noch nicht so richtig in Gang gekommen nur die nordischen Gänse werden allmählich immer mehr.
26.02.2012: Es ist wieder soweit: Fast ständig kann man jetzt irgendwo Gänse sehen oder hören der Zuzug der nordischen Gänse (vor allem Blässgänse) aus den niederländischen Winterquartieren ist im vollen Gang. Deutlich verhaltener ist dagegen immer noch der Singvogelzug, und auch Kraniche sind bisher kaum unterwegs. Andererseits hat die kräftige Milderung anscheinend bereits einen großen Teil der Singschwäne zum Aufbruch animiert nur noch wenige Dutzend halten sich im Gebiet auf. Der Gülper See gestern noch fast völlig zugefroren ist dank Wind und milden Temperaturen heute schon bis auf die südöstliche Bucht eisfrei, ebenso wie die Große Grabenniederung (wo das Wasser ungewöhnlich hoch steht) und die Überschwemmungsflächen in der Havelaue, wo bereits die Balzrufe der Pfeif- und Spießenten zu hören sind. Auch Seeadler und Kolkraben sind in Frühlingsstimmung.
05.03.2012: Wie immer um diese Zeit ist der Gülper See eher unspektakulär. Während hier hauptsächlich Säger (Zwerg- und Gänsesäger) und Tauchenten (vor allem Reiher- und Schellenten) zu beobachten sind, sammeln sich in den Überschwemmungsflächen an der Havel und zwischen Wolsier und Parey immer mehr Gründelenten. Zur Zeit dominieren die Spießenten (über 2.000), aber auch Stock- und Pfeifenten sind viele dabei. Heute war wieder Kranich-Zugtag, und auch der Zug der Kiebitze hat begonnen. Hier noch eine Warnung: Ein Ornithologe ist am Wochenende beim Besteigen des Beobachtungsturms nördlich von Parey durch eine der Stufen gebrochen. Da nicht klar ist, ob noch mehr Stufen morsch sind, wird dringend empfohlen, diesen Turm vorerst nicht mehr zu betreten!
06.03.2012: Die Stufe im Pareyer Beobachtungsturm ist wieder repariert sie war nicht morsch, sondern die Befestigung hatte sich gelockert. Übrigens kann man den Turm wegen des hohen Wasserstandes nur mit Gummistiefeln trockenen Fußes erreichen. Auffallend viele Kraniche zogen heute durch, und in der Großen Grabenniederung rasten inzwischen tausende Kiebitze. Nördlich vom Gülper See wurden die ersten Goldregenpfeifer gesehen.
19.03.2012: Besonders in der Großen Grabenniederung ist zur Zeit „richtig was los“. Zwischen vielen tausend Blässgänsen sind auch über 3.000 Weißwangengänse zu beobachten ein neuer Rekord. Zusammen mit der nahen Elbtalaue dürfte es sich hier wohl um den größten Rastplatz dieser ursprünglich nur im Küstenbereich verbreiteten Gänseart so weit im Binnenland handeln. Das immer noch sehr hoch stehende Wasser lockt natürlich auch Unmengen von Enten an neben tausenden von Pfeif- und Spießenten inzwischen auch die ersten Löffelenten. Auch Stare, Kiebitze, Lach- und Sturmmöwen rasten in großer Zahl. Bei den Kranichen sieht es dagegen ganz anders aus: Während die hiesigen Brutreviere längst besetzt sind und auch immer noch Trupps durchziehen, sind heuer zumindest in der Umgebung von Gülpe kaum rastende Kraniche zu sehen. In den Überschwemmungsflächen „blubbern“ jetzt wieder allenthalben die Moorfrösche, stellenweise auch begleitet vom „Knurren“ der Grasfrösche.
24.03.2012: Der Aufbruch der Blässgänse zur nächsten Reiseetappe gen Russland hat begonnen; es sind bereits deutlich weniger, die hier noch rasten. Dafür fallen jetzt die Weißwangengänse umso mehr auf, die wie immer noch etwas länger bleiben über 2.000 waren gestern wieder in der Großen Grabenniederung zu beobachten. Die Attraktion des Tages war jedoch der vorjährige Steinadler, der gestern Mittag längere Zeit immer wieder im Bereich zwischen Gülpe und Parey zu sehen war; höchstwahrscheinlich derselbe, der bereits am 13.3. von hier gemeldet wurde. Während in der Grabenniederung das Wasser immer noch sehr hoch steht und hier die ersten Rot- und Schwarzhalstaucher angekommen sind, ist der Havelpegel inzwischen deutlich gefallen nach der anhaltenden Trockenheit kein Wunder. Nachts wird die Geräuschkulisse noch vom „Blubbern“ der Moorfrösche bestimmt.