01.04.2008: In der Großen Grabenniederung ist nun allenthalben das „Blubbern“ der Moorfrösche, stellenweise auch das „Klopfen“ der Knoblauchkröten zu hören.
07.04.2008: Der neuerliche Kaltlufteinbruch bremst das Frühlingserwachen ein wenig trotzdem leuchten die Wiesen bereits in frischem Grün und die ersten Kirschen und Schlehen blühen; in Gülpe hat sogar schon ein Birnbaum zu blühen begonnen. Am Gülper See sind die ersten Graugans-Familien unterwegs, die Fischadler sind da und die Rohrdommeln rufen.
13.04.2008: Immer noch ziehen vereinzelt kleine Gruppen von Kranichen durch, während die ansässigen Paare längst brüten. In der überschwemmten Havelaue östlich von Parey halten sich z.Z. mehrere Rothalstaucher auf, die auch balzen und Revierverhalten zeigen. Wiesenschafstelze und Schilfrohrsänger sind zurück, und abends ist die Gülper Havelaue erfüllt von den Rufen der Kreuzkröten. Die nicht brütenden Graugänse beginnen sich zu sammeln. Die Weiden sind grün, und in den Gräben blüht die Sumpfdotterblume.
24.04.2008: Endlich ist der Frühling „richtig“ da: Es ist (nicht nur kurzzeitig) sonnig und warm, die Wasserfrösche quaken, die ersten als Puppe überwinternden Tagfalter fliegen (u.a. der Aurorafalter), und bei den Vögeln sind viele Langstreckenzieher zurückgekehrt: Braunkehlchen, Dorngrasmücke, Rohrschwirl, Waldlaubsänger, Nachtigall und Ortolan. Während der Wasserstand der Havel nach den Regenfällen der vergangenen Woche noch ziemlich hoch ist, wird das Wasser in der Großen Grabenniederung (die eigentlich Teil einer SPA specially protected area , also europäisches Vogelschutzgebiet ist, und zwar mit besonderer Bedeutung für Wiesenbrüter!) bereits wieder abgepumpt. Die tiefsten Senken stehen aber noch unter Wasser, und hier können zur Zeit Limikolen auf dem Zug beobachtet werden: Grünschenkel, Dunkler Wasserläufer und Bruchwasserläufer, Kampfläufer und sogar zwei Stelzenläufer. Auch viele hundert Krick- und Löffelenten rasten hier immer noch, während die Pfeif- und Spießenten weitgehend abgezogen sind.
28.04.2008: Kuckuck (seit 25.) und Drosselrohrsänger sind eingetroffen, und die Kraniche haben Junge. Das Einsetzen der Apfelblüte markiert den Anfang des phänologischen „Vollfrühlings“, und mit der Frühen Adonislibelle hat die Libellensaison begonnen.
07.05.2008: Pirol, Mauersegler, Neuntöter und Gelbspötter sind da; Waldbrettspiel, Brauner Feuerfalter und Faulbaumbläuling fliegen. Auch einige Libellenarten sind bereits unterwegs: Hufeisen- und Fledermaus-Azurjungfer, Spitzenfleck und Kleine Mosaikjungfer. Die ersten Weißdornbüsche fangen an zu blühen, und die daran herangewachsenen Raupen des Baumweißlings haben sich inzwischen verpuppt. Auf den Wiesen sind allenthalben kleine Gruppen nichtbrütender Graugänse zu sehen, zu denen sich stellenweise auch Familien mit ihren halbwüchsigen Jungen gesellen. Die lauen Abende werden akustisch von Teichfrosch- und Nachtigall-Konzerten beherrscht.
08.05.2008: Es ist wieder so wie im vergangenen Jahr: An der Straße zwischen Gülpe und Prietzen halten sich 10 (in Worten: zehn) singende Ortolan-Männchen auf allein sechs auf den ersten 2 km von Gülpe aus.
15.05.2008: Wieder mal viel zu früh wurde das Wasser aus der Großen Grabenniederung abgepumpt, und der Havelpegel ist nach dem Öffnen der Wehre in den letzten drei Wochen um 40 cm gefallen. Die Libellen-Zeit ist da; die Kleine Mosaikjungfer scheint in diesem Jahr recht häufig zu sein, ebenso wie der Spitzenfleck. Die ersten Blauen Federlibellen sind unterwegs, und an der Stremme nördlich von Rathenow fliegen viele Große Granataugen und Gemeine Winterlibellen.
24.05.2008: Jährliche Schwankungen in der Häufigkeit sind bei vielen Tierarten normal - das ist in diesem Jahr deutlich zu merken, besonders bei den Libellen. Nachdem ich mit der Frühen Adonislibelle bereits eine Art (und sogar häufig) gefunden hatte, die 2007 (also in meiner ersten „Saison“ an der Unteren Havel) völlig zu fehlen schien, konnte ich inzwischen zwei weitere Libellenarten „neu“ entdecken: Gemeine Winterlibelle und Vierfleck. Auch bei den Vögeln gibt es auffallende Unterschiede zu 2007: Während im Vorjahr sowohl Wachtel als auch Wachtelkönig häufig zu hören waren, sind heuer beide ausgesprochen selten. Dorngrasmücke und Rohrschwirl waren 2007 ebenfalls deutlich besser vertreten. Normal ist dagegen um dieses Jahreszeit das „Schweigen der Gänse“: Bei den Graugänsen ist Mauserzeit. Die Nichtbrüter sind dazu weggezogen, während die Familien sich eher unauffällig verhalten. Die Blütezeit des Holunders hat begonnen und damit der phänologische Frühsommer; die Gelben Schwertlilien stehen in voller Blüte.
04.06.2008: Aus Sicht der „Vogelgucker“ neigt sich die Saison dem Ende zu: Die Brutzeit ist bei vielen Arten beendet, die Zugzeit ist vorbei, und die Gesangsaktivität der Singvögel lässt allmählich nach. Es beginnt die ruhige Zeit des Sommers, in der sich aber trotzdem noch interessante Beobachtungen machen lassen. So halten sich im Westen der Großen Grabenniederung zur Zeit etwa zehn nichtbrütende Weißstörche und ein Schwarzstorch auf, dazu viele nichtbrütende Kraniche (und die ohne Bruterfolg). Vor allem die Spätheimkehrer unter den Zugvögeln singen jetzt noch, wie der Wachtelkönig in der Großen Grabenniederung oder der Schlagschwirl in der Havelaue; bei Strodehne/
22.06.2008: Normalerweise wäre jetzt Schmetterlingszeit aber es sind kaum welche zu sehen. Ob es an der extremen Trockenheit liegt oder an den späten Kälteeinbrüchen im Frühjahr oder an beidem? Die Mauserzeit der Graugänse ist vorüber nun sind sie wieder oft zu hören und in steigender Anzahl zu sehen, besonders am Gülper See, wo sie sich auch bereits die ersten kleinen Kranich-Gruppen zum Übernachten einfinden. Und die Zeit der Heuernte hat begonnen was ja heutzutage leider mit viel Krach verbunden ist …